Kartoffelsalat mit Estragon

Kar­tof­fel­sa­lat ist der Klas­si­ker in der schnel­len Küche, obwohl man eigent­lich rela­tiv lan­ge dafür braucht. Man ist eine Wei­le damit beschäf­tigt, die Kar­tof­feln zu pel­len, und dann muss er auch noch ziem­lich lan­ge zie­hen. Aber wenn er erst ein­mal fer­tig ist, dann gibt es wirk­lich kaum etwas, das schnel­ler auf dem Tisch steht.

Und noch in einer ande­ren Kate­go­rie ist Kar­tof­fel­sa­lat kaum zu schla­gen: man bekommt die Zuta­ten immer und über­all und für wenig Geld. Des­halb gibt es ihn auch in fast jeder Regi­on – aller­dings mit erheb­li­chen Unter­schie­den. Die­ses Rezept beruht auf der schwä­bi­schen Vari­an­te, die ich leicht ver­än­dert habe. Lokal­pa­trio­ten mögen mir ver­zei­hen – ich habe das ori­gi­nal-schwä­bi­sche Rezept um ein völ­lig unty­pi­sches Gewürz ergänzt: den Estragon.

Zutaten für 6 Portionen

  • 750 g fest­ko­chen­de Kartoffeln
  • 1 klei­ne Zwiebel
  • 1/4 l Fleisch- oder Gemüsebrühe
  • 1/8 l (= ca. 12 EL) wei­ßer Essig (man kann Weiß­wein- oder Apfel­es­sig nehmen)
  • 1/8 l Öl
  • 1 EL grob­kör­ni­ger Senf
  • 1 TL Estragon
  • Salz, Pfef­fer

Zeit

  • Wer kei­ne zwei lin­ken Hän­de hat, berei­tet die Mari­na­de in der Zeit vor, in der die Kar­tof­feln kochen. Danach muss der Kar­tof­fel­sa­lat noch min­des­tens 4 Stun­den ziehen.

Tipp

Es kommt nicht so genau auf die Men­gen an. Wer’s sau­rer mag, kann ruhig mehr Essig neh­men, 2 EL Senf gehen auch noch, mehr Estra­gon scha­det auch nicht. Und wer die ur-schwä­bi­sche Ver­si­on rekon­stru­ie­ren möch­te, nimmt mit­tel­schar­fen fei­nen Senf und lässt den Estra­gon ganz weg.

Zubereitung

Die Kar­tof­feln mit Scha­le in einem Topf gera­de soeben mit Was­ser bede­cken und gar kochen. Das dau­ert je nach Dicke der Kar­tof­feln zwi­schen 15 und 30 Minu­ten. Ob Ihr dicke oder klei­ne Kar­tof­feln nehmt, ist geschmack­lich egal – dicke brau­chen nur län­ger, bis sie gar sind, klei­ne sind dafür müh­sa­mer zu pellen.

Wäh­rend die Kar­tof­feln kochen, könnt Ihr schon mal die Zwie­bel pel­len und in fei­ne Wür­fel (ca. 3 mm) schnei­den. Mit einem schar­fen Mes­ser geht das deut­lich bes­ser als mit einem stump­fen! Die Zwie­beln, Essig, Öl, Senf und Estra­gon mit der hei­ßen Fleisch­brü­he ver­mi­schen. Die Mari­na­de soll­te noch warm sein, wenn die Kar­tof­feln hin­ein kommen.

Kartoffelsalat mit Estragon

Die gar gekoch­ten Kar­tof­feln pel­len, anschlie­ßend in Schei­ben oder Wür­fel schnei­den. Wenn Ihr dün­ne Schei­ben schnei­det, wird der Salat spä­ter »schlon­zig«, wie der Schwa­be sagt, also ein biss­chen mehr wie sau­rer Kar­tof­fel­brei, weil die Kar­tof­feln beim Durch­rüh­ren zer­fal­len. Ich per­sön­lich mag’s lie­ber, wenn die Kar­tof­fel­stü­cke ein biss­chen grö­ßer und fes­ter sind.

Die Kar­tof­fel­stü­cke oder –schei­ben in die Mari­na­de geben und alles mit­ein­an­der ver­men­gen. Mit unge­fähr 1 TL Salz und Pfef­fer wür­zen. Nicht erschre­cken, wenn’s jetzt noch zu sal­zig und sau­er schmeckt – die Kar­tof­feln neh­men noch unglaub­lich viel Geschmack auf.

Den Kar­tof­fel­sa­lat min­des­tens 4 Stun­den zie­hen las­sen, bes­ser über Nacht. Zwi­schen­drin immer mal wie­der umrüh­ren ist eine gute Aus­re­de, um ihn zu pro­bie­ren. Beim Umrüh­ren soll­tet Ihr aller­dings ein biss­chen vor­sich­tig sein, damit die Kar­tof­feln nicht zu sehr zerfallen.

Kurz vor dem Ser­vie­ren noch mal mit Salz und Pfef­fer abschmecken.

Dazu passt

Der Schwa­be isst sei­nen Kar­tof­fel­sa­lat ent­we­der zu Sai­ten­würst­chen (eine Art Wie­ner oder Frank­fur­ter) oder zu Maul­ta­schen in der Brü­he. Der »Hard­core-Schwa­be« tut den Kar­tof­fel­sa­lat sogar in die Brü­he. Man soll­te zumin­dest bei der Maul­ta­schen-Vari­an­te aller­dings den Estra­gon weg­las­sen, denn das passt nicht rich­tig gut zusam­men. Fleisch­küch­le (um im lan­des­ty­pi­schen Idi­om zu blei­ben) pas­sen auch gut.

Als Getränk emp­feh­le ich Bier. Wein passt nicht, weil der Essig im Salat jeden Wein­ge­schmack tötet. Saft passt aus dem glei­chen Grund auch nicht. Wenn’s ohne Alko­hol sein soll: Wasser.

Quelle

Man wäre geneigt, als Quel­le den Volks­mund oder die eige­ne Mut­ter anzu­ge­ben. Da ich aber kein Schwa­be bin, ein Ver­weis auf ein Buch, das man nicht nur wegen der authen­ti­schen Oma-Rezep­te, son­dern auch wegen der tol­len Fotos gar nicht genug emp­feh­len kann:

Kat­rin und Ralph Schäf­lein, Omas Küchen: Tra­di­tio­nel­le schwä­bi­sche Rezep­te. 2. Auf­la­ge Tübin­gen: Sil­ber­burg Ver­lag 2009

Schreibe einen Kommentar